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Jede Stadt ist in sich einzigartig, aber Ravenna, zwischen
Orient und Okzident, hat kaum seinesgleichen. George Byron schrieb,
es sei eine Landschaft, die inspiriere. Dante, der hier Teile seiner
"Göttlichen Komödie" vollenden konnte, hörte
hier die Geschichte von Paolo und Francesca. Borges ließ hier
die Geschichte von Droctulf spielen, dem langobardischen Krieger,
der als Eroberer gekommen war, dann aber das Lager wechselte, um die
Stadt zu verteidigen, nachdem er "den Tag und die Zypressen und
den Marmor" wahrgenommen hatte und "eine Stadt, einen Organismus,
der aus Statuen, Tempeln, Gärten, Häusern, Vasen, Kapitellen
und Plätzen bestand".
Ravenna ist heute ein Ort etwa 140.000 Einwohnern und die Hauptstadt
der italienischen Provinz Ravenna, die sich in der östlichen
Emilia-Romagna, 9 km von der adriatischen Küste und ca. 90km
von Rosolina Mare entfernt, befindet. Seine weltweite Berühmtheit
beruht auf der Fülle der frühchristlichen Kirchen, die sich
dort erhalten haben, und besonders auf deren außergewöhnlich
reicher Ausgestaltung mit Mosaiken. Ravenna geht vermutlich auf eine
umbrische oder venetianische Gründung zurück und wurde wohl
49 v. Chr. römisches Munizipium (römische Stadtgemeinde),
deren Bürger 338 v. Chr. das römische Bürgerrecht erhielten.
Die Stadt galt auf Grund ihrer strategisch günstigen Lage als
uneinnehmbar. Daraus resultierte auch der von Augustus angelegte Kriegs-
und Handelshafen Classis. Als Hafenstadt war es damit östlichen
Einflüssen weit geöffnet. Große Bedeutung gewann Ravenna
unter anderem als eines der ältesten Bistümer Italiens (erster
Bischof ca. um 200). Als Kaiser Theodosius das Imperium unter seinen
Söhnen teilte, erwählte sein Ältester Honorius, der
zum Herrscher des westlichen Reichsgebietes eingesetzt worden war,
395 Ravenna zur Hauptstadt und verlegte um 404 die Kaiserresidenz
dorthin, was die Blütezeit der Stadt einleitete, in der seine
Kirchen jene prachtvolle Ausstattung erhielten, die seitdem den Ruhm
Ravennas ausmacht. Eine neue Periode der Stadtgeschichte ist mit der
Völkerwanderung, dem Vordringen germanischer Stämme verbunden:
476 übernahm der Skire Odoaker (geboren um 430, ermordet am 15.
März 493), welcher den letzten weströmischen Kaiser, Romulus,
abgesetzt hatte, auch die Gewalt über Ravenna; er wurde somit
der erste Germanenkönig, der in Italien eine eigene Herrschaft
begründen konnte, die er allerdings später an den Ostgotenkönig
Theoderich abtreten, dessen mächtiges Mausoleum heute eines der
Wahrzeichen der Stadt ist.Damit wurde die Stadt 493 der Sitz der ostgotischen
Könige und 552 nach der Zerschlagung der Herrschaft der Ostgoten
durch den oströmischen Kaiser Sitz der byzantinischen Exarchen.
So konnte sich die Stadt als Mittelpunkt der byzantinischen Kultur
im Abendland entwickeln, wie die zahlreichen Mosaiken in Ravenna belegen,
die u.a. das Herrscherpaar zeigen, unter dem die oströmische
Herrschaft in der Stadt wiederhergestellt wurde, nämlich Joustinianos
und Theodora.
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